Raus aus der depressiven Stimmung - Persönlichkeitsentwicklung und mentale Stärke mit Hilfe der Hirnforschung

Raus aus der depressiven Stimmung

Mentale Selbstverteidigung (2)

Das Linzer Marktforschungsinstitut hat aktuell erhoben: 39% der Bevölkerung blicken mit Sorge aufs neue Jahr. Für 81% verändert sich durch die Krisen unser Alltag. 74% haben Angst vor weiteren Verschlechterungen der Lebenssituation (1).

Diese pessimistische Grundstimmung ist wie ein Nährboden für Schlafstörungen, Ängste und Depressionen. Der Wiener Neurobiologe, Buchautor und psychologische Coach Dr. Marcus Täuber verrät, wie wir den mentalen Turnaround schaffen können.  

Studien zeigen: Pessimismus macht krank 

Eine Reihe von Studien belegt, dass Pessimismus sich schädlich auf Gesundheit und Lebenserwartung auswirkt.

Eine groß angelegte Meta-Analyse von 61 Studien und 221.133 Probanden zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen Optimismus, Pessimismus und körperlicher Gesundheit. Pessimismus hat demnach einen stark negativen Effekt auf Gesundheitsparameter (2). 

Pessimismus oder Optimismus – keine Frage des Verstands   

Dr. Marcus Täuber betont, dass es der negative oder positive Blick auf Dinge nichts mit Logik und Verstand zu tun, sondern mit einer emotionalen Grundhaltung. „Laut Arthur Schopenhauer leben wir in der schlechtesten aller möglichen Welten. Gottfried Wilhelm Leibniz wiederum meinte, unsere Welt wäre die beste aller möglichen Welten. Zwei geniale Köpfe und philosophische Superstars kommen zu völlig gegensätzlichen Einschätzungen“ betont Täuber.

Schon vor rund 15 Jahren hat ein Team um die Psychologin Tali Sharot von der New York University zwei Hirnregionen lokalisiert, die mit Pessimismus und Optimsimus in Verbindung stehen. Je optimistischer jemand in die Zukunft blickte, desto höher wurde die Aktivität in der sogeannten Amygdala und dem rostralen anterioren cingulären Cortex (rACC). Negative Vorstellungen hingegen führten zu einer nachlassenden Aktivität in beiden Hirnregionen (3). Diese spielen bei der emotionalen Färbung eine wichtige Rolle, unabhängig von unserem Verstand im Stirnhirnbereich. 

Optimismus lässt sich trainieren 

Studien zur positiven Psychologie zeigen, dass Pessismus kein Schicksal ist. „Wir können unser Hirn auf Optimismus trainieren“, so Neurobiologe Dr. Marcus Täuber. Der Fachbegriff dazu des US-Psychologen Martin Seligman „learned optimism“ steht im bewussten Kontrast zur „learned helplessness“, der erlernten Hilfslosigkeit, die als Modell für Despression gilt (4). 

Täuber: „Seligman konnte auch zeigen, dass Meta-Kognition, die Fähigkeit über die eigenen Gedanken nachzudenken und diese zu hinterfragen, am besten schon vor der Pubertät angelegt werden sollte. Meta-Kognition ist das vermutlich wichtigste mentale Tool, um Optimismus zu lernen. Aber trotzdem gilt: Es ist nie zu spät, ein Optimist zu werden.“

Mentale Erfolgsstrategien, die den Turnaround im Kopf bringen

Erste Strategie: Dankbarkeitstagebuch 

„Der Klassiker: Oft empfohlen, gut bekannt, wird aber noch immer massiv unterschätzt“, so Täuber. Täglich fünf Dinge notieren, für die man dankbar ist, helfen laut Täuber unsere Aufmerksamkeit neu auszurichten. Am besten morgens, um das Gehirn gleich in einen positiven Modus zu stimmen. 

Zweite Strategie: Denken Sie, was Sie wollen

Analysieren Sie Alltagssituationen immer wieder nach dem Optimismus-ABC. A steht dabei für den Auslöser, also die Situation, B für die Bewertung, also die Gedanken, die Sie mit einer Situation verbinden und C für die Consequence, also die Gefühle, die sich daraus ergeben. Dreh- und Angelpunkt des Optimismus-Trainings ist nun das B. Prüfen Sie kritisch: Entsprechen die Gedanken den Tatsachen? Helfen die Gedanken Ihnen, sich zu fühlen, wie Sie es gerne hätten? Wenn Sie nicht beide Fragen mit einem bedingungslosen „Ja“ beantworten können, empfiehlt es sich neue produktivere Gedanken ins Auge zu fassen.   

 Dritte Strategie: Gute Beziehungen

Familie, Freundschaften und geselliges Beisammensein sind mehr, als nur ein sozialer Kitt. Gute Beziehungen sind ein Wundermittel gegen Stress. Verantwortlich dafür ist das Bindungshormon Oxytozin, das als natürlicher Gegenspieler des Stresshormons Kortisol wirkt. 

TIPP: Testen Sie Ihre mentale Stärke! 

Unter www.mentalestaerke.ifmes.com können Sie völlig kostenfrei Ihre mentale Stärke bestimmen. Der kurze Test basiert auf dem wissenschaftlichen Mental Toughness Questionaire, wie er auch im Spitzensport verwendet wird. Sie erhalten einen Score, der einen Hinweis auf Ihre psychische Robustheit gibt.

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Quellen

1. http://imas.at/index.php/de/imas-report-de/aktuelle-reports/1233-51-imas-neujahrsumfrage-triple-tiefpunkt-fortsetzung-des-pessimismus-teuerung-statt-corona-drei-fuenftel-sehen-2022-als-kein-gutes-jahr-vorsaetze-konstant-bei-einem-drittel

2. Scheier, M. F., Swanson, J. D., Barlow, M. A., Greenhouse, J. B., Wrosch, C., & Tindle, H. A. (2021). Optimism versus pessimism as predictors of physical health: A comprehensive reanalysis of dispositional optimism research. American Psychologist, 76(3), 529–548. https://doi.org/10.1037/amp0000666

3. Sharot, T., Riccardi, A., Raio, C. et al. Neural mechanisms mediating optimism bias. Nature 450, 102–105 (2007). https://doi.org/10.1038/nature06280

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